Katastrophenschutz 2.0

06.11.2013 09:52
von Admin bei DIEP

Bei aktuell ca. 26 Millionen aktiven Facebook-Nutzern in Deutschland ist es nicht verwunderlich, dass viele Menschen bei Facebook und Twitter in Katastrophenfällen, Informationen austauschen und Hilfe organisieren. Soziale Medien bieten eine nahezu unerschöpfliche Informationsquelle und gleichzeitig eine einfach zu handhabende Plattform zur Vernetzung und Kommunikation von Helfern und Betroffenen. Katastrophenschutzbehörden können von diesen Strukturen profitieren, indem das Internet und die Sozialen Medien als allgemeines Kommunikations- und Koordinationsmittel in die eigene Einsatzplanung eingebunden wird, um so effiziente und effektive Maßnahmen im jeweiligen Katastrophenfall abzuleiten.

Juni 2013, Hochwasser in Deutschland: in den betroffenen Gebieten etablierten sich unter der Bevölkerung Facebook und Twitter als die zentralen Informationsmedien. Nutzer koordinierten auf spontan eingerichteten regionalen Seiten Hilfsangebote und -gesuche, teilten dort die neuesten Pegelstände und Prognosen, Bilder und Schilderungen der aktuellen Lage. Jede Meldung wird von hunderten Nutzern kommentiert, bewertet und ergänzt. Das Ganze passiert im Sekundentakt. Ein Post - sofortige Reaktionen und vor Ort in die Praxis umgesetzt.

Schnell bildeten sich Parallelstrukturen, die betroffene Bevölkerung und viele freiwillige Helfer organisierten sich - unabhängig von Feuerwehr, THW, Rettungsdiensten oder den staatlichen und kommunalen Stellen – und das sogar sehr erfolgreich.

Gleichzeitig zeigte sich ein weiteres Bild in den sozialen Medien: die offiziellen Stellen waren hier nicht vertreten. Dafür mag es verschiedene Gründe geben, interessant war jedoch die negative Außenwirkung auf die Bevölkerung.
In solchen Situationen wird deutlich, dass sich Katastrophenschutzstäbe zukünftig auch dieser Herausforderung stellen müssen: dem Umgang mit Sozialen Medien und deren Integration in ihre Führungs- und Lagezentren.
Denn die spontane und privat organisierte Hilfe hatte auch ein großes Problem, es fehlte schlichtweg an Professionalität, die in den etablierten Katastrophenschutzstäbe seit Jahren vorhanden ist.

Genau wie Privatpersonen können staatliche Behörden Social Media in den folgenden Bereichen einsetzen und nutzen:

1. Information und Warnung der Bevölkerung

2. Absetzen von Hilfeersuchen bei Überlastung der Notrufleitungen

3. Informationsgewinnung, Lagefeststellung und -beurteilung

4. Organisation von Spontanhilfe

5. Monitoring der Bevölkerungsreaktionen

6. Katastrophennachbereitung / Aufräumarbeiten / Spendenkoordination

Grundvoraussetzung für derartige Überlegungen ist jedoch, dass Behörden den Nutzern von Sozialen Medien vertrauen. Falschmeldungen, die sich aufgrund der Gruppendynamik schnell verbreiten, sind nicht ausgeschlossen, können aber aufgrund der Masse an „Informanten“ auch häufig schnell wieder ausgeräumt werden. Frühzeitige Informationen, die durch die Behörden herausgegeben werden, verhindern ebenfalls, dass Gerüchte entstehen. Staatliche Stellen können so positiven Einfluss ausüben. Wichtig ist zu verstehen, wie Soziale Medien funktionieren und Menschen über diese kommunizieren, um die Qualität der gewonnen Informationen abschätzen zu können.

Fakt ist: Die Bevölkerung ist bereit. Beispielsweise wurden allein 2012 rund 17000 Smartphones verkauft, welche die ideale Grundlage für fortschrittliche, mobile Informationen bieten. Nachrichten können nicht mehr nur im Gespräch sondern ebenso über Plattformen, Wikis und Blogs Bilder verbreitet, sowie Bilder schnell ausgetauscht werden. Nun liegt es nur noch an den öffentlichen Organisationen diese Ausrüstung auch zu nutzen. Unabdingbar ist, dass Katastrophenschutzbehörden durch die Nutzung von Facebook und Twitter Ihre Entscheidungshoheit behalten und Spontanhelfer von offizieller Seite sinnvoll koordiniert werden können.

Social Media in Führungs- und Lagezentren - wie kann man diese Herausforderung lösen?

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